Bleich die Himmelswäsche

WAS SICH IN TSCHERNOBYL AM MEISTEN
EINPRÄGT, IST DAS LEBEN DANACH. LANDSCHAFTEN
OHNE MENSCHEN. WEGE INS NICHTS.
(Swetlana Alexijewitsch)

Bleich die Himmelswäsche. An den Strommasten
aufgehängt ein Blau, das ich nicht kenne.
Dazwischen freies Feld, Geleise, flache Bauten.
Hier gab es Arbeit. Jetzt sind das die Höhlen
für die Zeit nach uns. Bunt bemalt auf
Winterweissgraublau. Schnee in Inneren.
Ersonnen ist der Sozialismus für den Menschen
der nach uns kommen wird. Er hat gesiegt.
Denn solches Blau hab ich noch nie gesehen …

HIER HABEN WIR DOCH KOMMUNISMUS
WIR LEBEN WIE BRÜDER UND SCHWESTERN
(eine Tschernobyl-Rückkehrerin)

Ein Gedanke zu „Bleich die Himmelswäsche“

  1. Lieber Wolfram,

    danke für die beiden Gedichte. In „Bleich die Himmelswäsche“ haben es mir die drei letzten Zeilen vor dem Zitat besonders angetan: Ja, der Sozialismus ist ersonnen für den Menschen, der nach uns kommen wird – nicht für uns. Für uns ist er nur eine Hoffnung, die mit dem Älterwerden ausbleicht und fleckig wird. Und doch hat er gesiegt – denn Siegen war sein Ein und Alles. Schön, dass dieser Sieg ein Blau ist, ein noch nie gesehenes. Und doch ist’s ein Totenblau. Und doch ist schön. So seltsam ist das alles. Ähnlich seltsam und schön – schön, weil von ganz nahem gesehen, fast bei den Händen gefasst und doch nicht – wie Remus.

    Ganz herzlich Carl

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