Die Bänke

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Die Bänke liegen im Schatten sommers wie winters. Das Holz ist meistens feucht. Manchmal fehlt ein Brett. Die Fundamente sind unterspült, man sieht den nackten Beton, man sitzt auf ihnen wie ein Kind, die Beine baumeln in der Luft. Man denkt, es gab  Zeiten, da war es immer Sommer und die Menschen bauten Bänke. Die Sonne schien durchs Laub. Man promenierte. Man hatte eine Sommerfrische. Die jungen Männer waren Poussierstengel. Es gab Fräuleins und gefallene Mädchen. Am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Auf den Bänken traf man sich heimlich.

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Die Bänke stehen immer an der falschen Stelle. Sie sind moosüberwachsen. Sommers wie winters sitzt keiner auf diesen Bänken. Besonders keine Liebespaare. Nur einmal, im Herbst, als es regnete, sah ich einen Mann und eine Frau auf einer Bank. Sie waren etwa  sechzig, hielten sich fest an der Hand und starrten undurchdringlich auf den Waldweg. Als mein Bruder starb, zerfetzt im Golf von einem LKW, der seinen Weg zur Arbeit kreuzte, sah ich meine Eltern so das letzte Mal. Aber die zwei da sind nicht so. Sie sind es bloß gewöhnt, sich an der Hand zu halten. Vor dem Tod ist es einfach zu kalt

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