Mangelnde Synchronisation von Eigenzeiten

Die Kindergartengruppe ist in den Wald gegangen. Wie früher sieht das aus: nur mit Unterhosen und Gummistiefeln bekleidet, plantschen die Mädchen und Jungen durch das des langen Sommers wegen ganz niedrigen Bachbetts, spielen Fangen und errichten, kauernd im groben Sand, aus Ast- und Rindenstückchen, kleine Gebäude. Lachend läuft ein Junge auf einen zweiten zu; er haut ihm auf den Kopf. Ein Moment der Stille, eines nach Fassung suchenden Schweigens. Der, der geschlagen hat, sieht ein, dass das kein Spiel mehr ist. Er hat, was er nicht wusste, dem anderen tatsächlich weh getan. Langsam bewegt er sich auf ihn zu, die Hand halb bittend, halb tröstend ausgestreckt. Immer noch Stille. In dem Moment aber, in dem der Täter sein das Opfer erreicht und zur Versöhnung ansetzt, beginnt das Opfer hysterisch zu schreien und auf den Täter einzuprügeln. Der läuft fort, kehrt dann aber um. Der Schlagabtausch, aus dem sich leicht ein Krieg entwickeln könnte, und der sich der mangelnden Synchronisation von Eigenzeiten verdankt, kann beginnen.

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