Gegen die Wand 12

Die Klimaserie
Folge 12: Dialektik

Die Debatte darüber, ob und zu welchen Anteilen der Klimawandel ‚menschengemacht‘ sei, ist ein kollektivpsychologisches Lehrstück darüber, dass man zugleich mehr und weniger meint als man sagt.

Zunächst einmal ist es ja gar nicht wichtig, ob die Erderhitzung eine unmittelbare Folge der technischen Zivilisation ist oder ob sie ‚einfach so‘ stattfindet. Genug, DASS sie stattfindet, und zwar mit besorgniserregende Geschwindigkeit. Die Daten liegen auf dem Tisch und es ist so viel klar, dass das Leben der Menschen und viele andere Lebensformen auf diesem Planeten bedroht ist, wenn diese Entwicklung sich fortsetzt.

Eigentlich stecken hinter dem Streit um die Verantwortlichkeit unterschiedliche Haltungen zu der Frage, wie man damit umgeht. Denn sind die Menschen für den Klimawandel verantwortlich, so könnten sie doch auch dafür sorgen, dass er aufhört. Es lag und liegt bei ihnen, also bei ‚uns‘. Noch das reuige Eingeständnis, dass wir die Erde kaputt machen, ist grundiert von der Anmaßung, die diese Situation erzeugt hat: das nämlich wir es sind, die als Verursacher der ganzen Misere diese abstellen und, wie die unsägliche Formulierung lautet, die Welt retten können. Das schlechte Gewissen ist die Maske der fortgesetzten Allmachtsphantasie der Aufklärung.

Umgekehrt könnte – wohlgemerkt: KÖNNTE – die Annahme, dass wir es hier mit einem natürlichen Phänomen zu tun haben, von eben der Demut der Natur gegenüber zeugen, die dringend notwendig wäre, um uns zur Ordnung zu rufen und uns zu dem Verhalten zu zwingen, das für unser Überleben notwendig wäre.

Tut es freilich nicht. Es lädt vielmehr ein zur Scheißegal-da-kann-man-sowieso-nichts-machen-Haltung ein, die sich, bevor die Städte brennen und die Meere sterben, die letzte Urlaubsreise gönnt, die nächstgrößere Karre zieht und ansonsten die Grenzen befestigt, um die eigenen Privilegien so lange wie möglich zu verteidigen.

Es ist halt dialektisch. Was aber im Hin und Her von „Befürwortern“ und „Leugnern“ hintenrüber fällt, ist die dazwischenliegende und insgesamt ja doch recht wahrscheinliche Einsicht: dass wir die ökologischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte zu großen Teilen verantworten, UND dass dieser Prozess schlicht und ergreifend außer Kontrolle geraten ist.

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