Corona 1: Aufruf

Nachdem dieser Blog eine ganze Zeit, hauptsächlich aus privaten Gründen, geruht hat, soll er nun wieder seine Arbeit aufnehmen; und zwar mit Kommentaren zur Corona-Krise. Diese Kommentare werden nur zum Teil von mir stammen. Ich nehme auf, worüber ich stolpere und was mir wert scheint, es gebündelt festzuhalten. Darauf kommt es an. Das Problem von Facebook liegt in seiner Stärke: die Mischung von allem mit allen. Deswegen hier und im folgenden ein Alternativangebot.
¶ Dass aus ihm die letzte Wahrheit über das Virus und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit ihm zu erfahren sein wird, ist auszuschließen. Es gibt diese letzte Wahrheit nicht. Die Fakten ändern sich stündlich und mit ihnen nicht selten meine Meinung über sie. Die hier folgenden Glossen sind Momentaufnahmen, idiosynkratisch und in vielen Fällen unverhältnismäßig. Aber nur die Übertreibung, besser: die Übertreibungen und Verzeichnungen können das in einem bestimmten historischen Augenblick liegende Potenzial erfahrbar machen. Sie sind Verkörperungen des Möglichkeitsinns, der sich strahlenförmig aus jeder einzelnen Gegenwart heraus ausbreitet. Wie Anne Peiter, von der der erste Beitrag stammt, es mit Günther Anders formuliert hat, sind sie »Entstellungen in Richtung Wahrheit«1.
¶ Diese Entstellungen, Übertreibungen und Verzeichnungen: sie können, ich sagte es, nur im Plural auftreten. Kein Plenum der einverstandenen, sondern der hocherregten, einander ins Wort fallenden Stimmen. Ein Konsens ist nicht abzusehen, weil sich die Diskussionsbasis ständig ändert. Einen Konsens habe ich ja nicht mal mit mir selbst. Alle, die sich daran beteiligen müssen, sind willkommen, auch wenn ich mir die letzte redaktionelle Entscheidung über die Veröffentlichung vorbehalte. Wer also etwas beisteuern möchte, Literarisches, Essayistisches, ein Bild oder ein Video, kann das zunächst einfach per Mail an mich (wolframette@gmx.net) tun. Ich kümmere mich um das Weitere.
¶ Corona ist auch ein gewaltiges soziales Experiment. Darauf in Form eines journalistischen Experiments (wenn man diese Form des »Extrablatts« so nennen will; für mich ist es jedenfalls ein Experiment) zu reagieren, scheint mir einen Versuch wert.
¶ Auf unsere Zusammenarbeit, die ja zumindest das Gefühl der Quarantäne etwas lindern könnte!

W.E.


Anmerkung

1 Günter Anders, Die Antiquiertheit des Menschen, München 2009, Bd. 1, 86; zitiert bei Anne Peiter, Träume der Gewalt. Studien der Unverhältnismäßigkeit zu Texten, Filmen und Fotografien. Nationalsozialismus – Kolonialismus – Kalter Krieg, Bielefeld 2019, 13.

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