Corona 265: Nachgiebigkeit

Die Regierung hat einen Riesenbammel, wenn sie daran denkt, dass die Leute nach ihrer ersten Injektion in die Ferien fahren könnten und darüber die Notwendigkeit der zweiten Injektion vergessen. Da man nicht recht weiß, wo all die Leute hinfahren werden, beschwört man sie, die Ferien nach dem zweiten Termin auszurichten, und nicht den Termin nach den Ferien. Man beschwört noch mehr, man solle bitte überhaupt an die zweite Injektion denken.

Doch inzwischen ist die Ferienstimmung schon so ausgeprägt, dass die Regierung nachzugeben beginnt. Sie kündigt vorsichtig die Möglichkeit an, dass es „zusätzliche Impfdosen in einer bestimmten Zahl von touristischen Orten“ geben könnte („des doses supplémentaires dans un certain nombre de lieux touristiques“). Noch wird nicht gesagt, wo, aber man weiß: Man kriegt das mit der zweiten Injektion nur hin, wenn man den Leuten hinterherläuft.

Weil es aber gut sein kann, dass das nicht besonders gut klappen wird, wird im Fall von Schwierigkeiten „Geschmeidigkeit“ („souplesse“) angeraten. Damit ist gemeint, dass es die Möglichkeit „‚einer gewissen Nachgiebigkeit bezüglich der Frage des Zeitraums zwischen den beiden Injektionen‘ geben soll, um zu vermeiden, dass die zweite ‚ausgerechnet in die Mitte der Ferien fällt‘.“ (… „‚un petit assouplissement sur la question de l’espacement entre les deux doses“, pour éviter que la deuxième ‚tombe exactement au milieu des vacances'“). Übersetzt soll das wohl heißen: „Na, dann macht’s eben später !“, aber formuliert wird es so, dass klar wird, man möge wegen der Ferien bitte keine Ewigkeiten zwischen Injektion Nr. 1 und Injektion Nr. 2 verstreichen lassen.

Insgesamt macht die Regierung, die so viel von „Pädagogik“ spricht und stets ankündigt, sie werde der Bevölkerung alles hübsch ruhig und klar erklären, den Eindruck aufgescheuchter Eltern, die ihren Sprösslingen gegenüber erst grossartig ihre Prinzipien verkünden und dann eine Überzeugung nach der anderen wieder sausen lassen müssen. Also etwa so: „Geimpft wird nur da, wo man Zuhause ist“, gefolgt von: „Ok, ok, wenn’s unbedingt sein muss, dann eben nicht Zuhause, sondern in den Ferien…“ Aber dann, zum Ausgleich: „Aber der vorgeschriebene Zeitraum zwischen den Injektionen muss unbedingt eingehalten werden!“ Und nach dem Protest und dem Nörgeln, das schon wieder von Seiten der Gören kommt (sie haben wirklich kein Schamgefühl im Leibe): „Ok, ok, dann eben nicht gleich, sondern wann es Euch passt … Aber bitte nicht zu spät!“ Oder, wieder dem Originalwortlaut folgend: „un petit assouplissement“. Wie sagt man das? „Eine kleine Abschwächung“? Ein „kleines“ Absehen von der Regel? Eine „kleine“ Umgehung dessen, was vorgeschrieben ist? Es ist egal, wie das Substantiv genau lautet. Interessant ist das Wort „klein“. Man macht sich vor, man sei nur ein klein bisschen nachgiebig, nicht in den wesentlichen Dingen.

So argumentiert eine Erziehung, die total den Bach heruntergehen wird, von jeher. Die maulende Jugend erzieht sich die Eltern nach dem Bild ihrer Wünsche und Bequemlichkeiten. Wenn das mit dem Impfen nur gut geht!

Anne Peiter

https://www.msn.com/fr-fr/actualite/france/vaccination-anti-covid-un-plan-pour-l%C3%A9t%C3%A9-d%C3%A9voil%C3%A9-ces-prochains-jours/ar-AAKtjXY

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