Corona 286: Dialektische Anekdoten

Die Schwimmmeister

Es gibt Schwimmmeister, die in Streik getreten sind, weil sie eine Hitzewelle fürchten. Und nicht nur die Hitzewelle, sondern die Welle von Nicht-Geimpften, die sie werden abweisen werden müssen. Die Schwimmmeister haben Angst vor den dann entstehenden Konflikten, argumentieren, bei Hitze kämen vor allen Dingen die Ärmsten, die es sich nicht leisten könnten, in die Ferien zu fahren, sich dann aber wenigstens im Wasser von der Hitze der Zeit abkühlen wollten.

Paris: des agents des bibliothèques et piscines en grève contre l‹obligation du pass sanitaire (msn.com)

Die Schwäche des Konjunktivs

In Frankreich wird alles getan, um Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder impfen zu lassen. In Frankreich wird daher nichts getan, um Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder nicht impfen zu lassen, sondern die Länder, die noch immer auf Impfstoffe wenigstens für die Schwächsten warten, mit den Injektionen zu versorgen, die sonst an die Kinder gegangen wären. Aber sie gehen ja wirklich an die Kinder, und darum kann man sich die Konjunktive schenken, die ausdrücken, was denkbar gewesen wäre.

Covid-19 : vacciner les mineurs, une erreur ? Pourquoi c’est un“scandale moral“selon l’OMS (msn.com)

Dialektik der Frauenemanzipation

Nach der EM ist vor allen Dingen die Ansteckungsrate bei Männern hochgegangen, nicht so sehr bei Frauen. Männer gehen mehr ins Stadion, um zu jubeln. Jetzt jubeln die Frauen darüber, dass der Frauenfußball so wenig angesehen ist und sie selbst mal wieder stärker sind als die, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit wie der ärztlichen Bemühungen um Rettung stehen.

Pays-Bas, Angleterre, Espagne : la décrue des cas de Covid-19 s’amorce-t-elle en Europe ? (msn.com)

Aussichten für die Schule

„Le non vacciné reste à la maison, le vacciné reste en cours“ („Der Nicht-Geimpfte bleibt Zuhause, der Geimpfte bleibt im Unterricht“). Das ist die neue Devise des französischen Schulministers: Jugendliche, die nicht geimpft sind und das Pech haben, mit einem infizierten Klassenkameraden Kontakt gehabt zu haben, folgen der Schulpflicht, ohne in die Schule gehen zu dürfen. Das ist einerseits ganz logisch, denn warum sollte jemand, der, da geimpft, kaum ein Risiko hat, sich anzustecken, nicht weiter zur Schule gehen? Andererseits läuft das Ganze, wie man sich vorstellen kann, auf ein organisatorisches Chaos hinaus, denn wie soll ein Leher, soll eine Lehrerin Unterricht in zwei Modi zugleich machen: hier, in der Schule, und dort, auf Distanz?

Auch sind die Lehrer:innen nicht verpflichtet, sich impfen zu lassen, was bedeutet, dass ihnen ein Recht zukommt, das den Jugendlichen durch die Drohung, ihnen stünde erneut Distanzunterricht bevor, nicht wirklich zuerkannt wird. Es ergibt sich der Eindruck, dass man das Impfen für die Jugendliche unbedingt durchsetzen will, sich aber an die Erwachsenen nicht heranwagt. Und weil man sich an die Erwachsenen – die wahlberechtigt sind und also ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen könnten – nicht heranwagt, wagt man sich umso mehr an die Jugendlichen heran, die nicht wählen dürfen, politisch nicht, und jetzt haben sie auch in Bezug auf die Impfung nicht so recht die Wahl.

Es wird sich herausstellen, wieviele Jugendliche sich dann in der Tat impfen lassen werden, denn denkbar ist ja auch, dass die Zahl der Geimpften ganz gering bleiben wird, was wiederum bedeuten wird, dass im Fall des Auftretens von Ansteckungen nur ganz wenige Schüler:innen zur Schule gehen können und der Rest Zuhause bleibt. Im Extremfall steht die Lehrerin allein vor ihrer Klasse. Auch eine neue Art von Präsenz.

Unwägbarkeiten aller Art stehen bevor, doch gerade stehe ich auf dem Standpunkt, dass ich meine Tochter nicht impfen lassen werde, bevor nicht die Erwachsenen die Verantwortung übernehmen und sich selbst impfen lassen.

https://www.clicanoo.re/Societe/Article/2021/07/28/Colleges-et-lycees-seuls-les-non-vaccines-distance-sil-y-un-cas-de-Covid

Lourdes

„La présence de chaque malade est comme une petite lampe qui vient illuminer le ciel sombre de la pandémie.“ („Die Anwesenheit eines/r jeden Kranken ist wie ein kleines Licht, das diese Stadt erhellt, die von der Pandemie düster geworden ist.“)

Hm, hm. Das könnte fast zynisch klingen, wenn’s nicht die Stadt wäre, in der sich die Läden mit ihren religiösen Souvenirs offen erleichtert darüber zeigen, dass endlich wieder Kranke kommen, von denen einige, Gott sei gelobt, gesund genug sind, um sich nach der Zeit des großen, kollektiven Leids was Hübsches und in vielerlei Hinsicht Heilsbringendes zu kaufen.

Todbringende Hilfe

Während der „ersten Welle“ scheinen sich, einer Studie zufolge, mindestens zehn Prozent aller britischen Covid-Kranken während eines Krankenhausaufenthalts mit dem Virus angesteckt zu haben. Es war also gefährlich, ausgerechnet dort Hilfe zu suchen. Der Prozentsatz gilt als Mindestangabe. Die Dunkelziffer sei, so die Vermutung, höher. Ein Argument dafür, dass das Personal in Krankenhäusern geimpft sein sollte, jetzt, wo wir nicht mehr in der „ersten Welle“ stecken. Oder ist man gedanklich noch voll in ihrem Strudel?

En Angleterre, un patient sur dix aurait contracté le Covid-19 dans les hôpitaux (msn.com)

Anne Peiter

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