Corona 288: Die 3 oder 2 G’s

Keine Hexerei

»Die drei großen G’s« – getestet, geimpft, genesen –: man kann nicht sagen, dass es ein besonderes Kunststück ist, in einer Sprache, in der das Partizip Perfekt in aller Regel mit der Vorsilbe »ge-« beginnt, zu dieser umwerfenden Alliteration zu gelangen.

Impfen oder Testen?

Was ist denn jetzt eigentlich besser: getestet oder geimpft sein? Der eindeutige Schnappschuss einer Infektionssituation oder langfristiger Schutz mit Restrisiko? Einzelfalldiagnose oder statistische Vorsorge? 

Reisende aus »Hochrisikogebieten« (deren Liste sich, Delta und einer brutal klassenmäßigen Impfpolitik sei Dank, jeden Tag verlängert) müssen jetzt in Quarantäne, auch dann, wenn sie geimpft sind. Nach fünf Tagen frühestens können Sie sich dann »freitesten« (vgl. Corona 112: Frei, freier, am freitesten) Die dahinter stehende Logik scheint zu sein, dass man als Geimpfte sehr wohl Corona bekommen kann. In welchem Umfang man die Krankheit dann auch weitergeben kann, ist strittig, zumal sich durch die Mutationen des Beobachtungsfeld ständig verändert. Aber die Expertinnen und Experten stimmen darin überein, dass die Viruslast in jedem Fall geringer sein wird als bei den Ungeimpften.

Aber dennoch, das Problem bleibt natürlich bestehen. Und da eben kommen die Tests ins Spiel, die über die Viruslast zum Zeitpunkt x eine eindeutige Aussage machen. Doch leider gelten sie eben nur für diesen Zeitpunkt; und gerade bei den Antigen-Schnelltests ist das Zeitfenster, innerhalb dessen sie in dem Sinne zuverlässig sind, dass »negativ« wirklich »negativ« bedeutet, ziemlich eng. Also reicht ein Test bei der Einreise nicht aus, es muss sinnvollerweise unter der Voraussetzung nach getestet werden, dass man sich in der Zwischenzeit nicht infiziert. Also Quarantäne. Ergibt Sinn. Ist irgendwie logisch.

Was aber nun angesichts dessen überhaupt nicht logisch ist: die Diskussion darüber, die Tests kostenpflichtig zu machen, da ja nun eine jede Deutsche und ein jeder Deutsche die Möglichkeit habe, sich impfen zu lassen. Aber stimmt man der systematischen Priorisierung des Testens vor dem Impfen zu, so kann das ja nicht nur an der Grenze gelten, jenseits der so viele Länder, und so anders als wir, die Epidemie nicht im Griff haben. Oder: Es gilt eben doch: wir ziehen einen »cordon sanitaire« um unser Land, bewehrt mit Quarantäne und Doppeltestung; darin dann die hoffentlich bald durchimmunisierte Bevölkerung, deren Infektionsrestrisiko so klein ist, dass man die Tests sich schon bezahlen lassen kann.

Davon sind wir freilich weit entfernt. Und ich prognostiziere noch einmal, dass es zu der herbeigesehnten Herdenimmunität niemals kommen wird. Wir müssen die Dinge nehmen, wie sie sind – dass nämlich die Gesellschaft sich teilt in diejenigen, die geimpft sind und diejenigen, die das aus welchen Gründen auch immer nicht wollen oder nicht können. Es scheint mir unklug, diese Teilung durch finanziellen Druck auf die nicht Geimpften zu vergrößern.

Freilich bleibt noch eine Lösung übrig: Die Ungeimpften könnten eine schöne Reise machen – im Moment empfehle ich die französischen Überseegebiete: die sind jetzt als Hochrisikogebiete klassifiziert – und sich beim Grenzübertritt zurück kostenlos testen lassen. Das ist garantiert. Sie haben gar keine Wahl. Selbst wenn sie dafür bezahlen wollten, was sie sicherlich nicht tun, wäre das wahrscheinlich nicht möglich.

Wolfram Ette

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: